Fertige Patchwork-Decke von der Vorderseite

Manchmal ist es unmöglich die Zukunft vorherzusehen. Also, mir zumindest. Ich habe Corona nicht kommen sehen. Ihr vielleicht? Aber nach der Geburt unserer Zwillinge Anfang 2019 hat es unser Leben ein Jahr später schon wieder auf den Kopf gestellt. So sehr, dass ich beschloss eine Patchworkdecke zu nähen! Etwas, dass ich noch im März für völlig undenkbar gehalten habe. Viel zu langweilig. Wenn du wissen willst, was dazu führte, was ich im Prozess gelernt habe und ob ich es bereue, bleib dran!

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Wie ein Virus mich auf neue Wege führte

Ich wohne mit meiner Familie weit weg von der Heimat. Mindestens 6 Stunden Autofahrt, wenn’s schlecht läuft auch 10 Stunden… Entsprechend ziehen wir unsere Zwillinge mehr oder weniger alleine auf. Mit dem 1. März 2020 war also ein wichtiger Meilenstein in unserem jungen Familienleben erreicht: Start der KiTa-Eingewöhnung. Am Horizont zogen ein paar dunkle Wolken mit Meldungen über ein neues Virus, gegen das es weder Medikamente noch Impfstoffe gibt. Die Eingewöhnung lief im großen und ganzen prima an und ich freute mich auf den Freiraum, den die Fremdbetreuung der Kinder mirbeschehren würde. Endlich wieder in Ruhe duschen, etwas nähen und ungestört schlafen!

Am Donnerstag Abend der zweiten Woche beschlossen wir dann, dass uns das Infektionsrisiko in der KiTa zu groß war und wir am nächsten Tag zwar noch hin gehen würden, aber Bescheid geben, dass wir danach erstmal nicht wieder kommen. Es brach mir das Herz. All meine Freiheit dahin. Komplett. Für wer weiß wie lange… Ich habe geheult wie ein Schlosshund.

Die nächsten Wochen brachten dann mit sich, dass wir unseren Alltag wieder selbst strukturierten. Der plötzlich im Home Office arbeitende Papa musste mit integriert werden. Unsere 2 Zimmer-Wohnung wurde immer kleiner… Dann auch für ihn immer mehr Kurzarbeit. Bis es 100% waren. OK, damit ließ es sich wieder besser leben. Quasi, wie bezahlte Elternzeit. Nach den doch sehr anstrengenden Wochen, genossen wir es, dass zumindest dieser Schmerzpunkt gelindert wurde. Was blieb waren 4 Menschen, die völlig auf sich gestellt, ohne weitere Hilfe den Lock-Down abwetterten. Sozialkontakte beschränkten sich auf sehr knappe Gespräche mit den Menschen, die einem bei einem Spaziergang begegneten.

Asyl in der Heimat

Am Wochenende vor Himmelfahrt brach die Sehnsucht nach meiner Familie durch. Ich hatte sie seit vor Weihnachten nicht mehr gesehen und dank Corona hatten sowohl meine Mutter als auch mein Vater mit Frau ihre Besuche sinnvollerweise abgesagt. Nach einigem hin und her beschlossen wir am Dienstag zu fahren und am folgenden Montag zurück zu kommen. Den ersten Teil haben wir in die Tat umgesetzt, den zweiten immer weiter nach hinten geschoben. Immer weiter. Und immer weiter. Bis wir beschlossen erst wieder nach Hause zu fahren, wenn das Wetter zu schlecht würde, oder ich die alleinige Kinderbetreuung im Falle von Papas Rückkehr ins Büro nicht stemmen könne, oder wir den nächsten Versuch mit der KiTa-Eingewöhnung starten könnten.

Dies war die beste Entscheidung, die wir unter den gegebenen Umständen treffen konnten. Mein Elternhaus bot mehr als genug Platz für uns 4, hat einen großen Garten, in dem die Kinder sich austoben konnten und lernten was Stufen sind und wie man sie überwindet. Außerdem gab es im Dorf einen engen Kreis an sozialen Kontakten, da meine Familie komplett dort ansässig ist. Es hat sage und schreibe 2 Monate gedauert bis die Kinder sich wieder soweit von uns lösen konnten, dass Oma, Opa und alle anderen nicht mehr extrem angefremdelt wurden! Die Isolation des Lock-downs hatte in ihnen tiefere Spuren hinterlassen als wir es uns haben ausmalen können.

Die einzigen Dinge, die uns fehlten: Ein Rasierer für Papa und Mamas Näh-Sachen. Grundsätzlich erstmal zu verschmerzen. Ohne professionelle Kontakte hat ein wildgewachsener Bart erstmal keine besonderen Auswirkungen und statt zu nähen habe ich FAIRnähen ins Leben gerufen und angefangen mich mit Nachhaltigkeit in meinem Lieblingshobby zu beschäftigen. Doch irgendwann war die Basis gelegt, die Kinder schliefen abends immer länger am Stück und mir wurde langweilig… (zum ersten Mal seit der Geburt der Zwillinge.)

Wie ich dazu kam eine Patchworkdecke zu nähen

Und dann kam der Tag an dem die Frau meines Vaters mich fragte, ob ich Verwendung für 24 Stoffquadrate der Größe 30 x 30 cm hätte. Sie hätte sich bei Amazon eine bunte Mischung bestellt, um ihrem Bruder Alltagsmasken daraus zu nähen. Die fraglichen 24 Quadrate hätten aber Motive, die sich nicht so gut eignen würden. – Hm, tja, eigentlich hatte ich keine Verwendung. Die Stoffstücke sind viel zu klein, selbst für Babykleidung. Baumwollwebware ist jetzt auch nicht so mein Spezialgebiet. Wenn ich Glück hatte, hatte der Stoff mal neben nachhaltigen Kollegen gelegen. Und von den Mustern erwartete ich mir jetzt auch nicht so viel.

Und trotzdem. Es wäre die Chance im Asyl zu nähen. Der Stoff wäre schon da. Die Nähmaschine meines Vaters konnte damit um. Die Kinderbetreuung wäre auch gesichert. Und so entstand vor meinem inneren Auge das erste Bild von meiner Patchworkdecke. Ich besprach den Plan mit allen Beteiligten und hatte plötzlich ein Nähprojekt. Wie aufregend! Es kribbelte tatsächlich in meinem Bauch!

Entstehung des Schnittmusters

Meine Ansprüche waren nicht hoch. Auf keinen Fall wollte ich etwas kompliziertes, das stundenlanges zuschneiden ohne richtiges Equipment erforderte. Der erste Entwurf sah 4 x 6 Quadrate vor. Doch als ich mir überlegte, wie die fertige Decke mit ihrer Einfassung wohl aussehen würde, viel mir auf, dass die äußeren Stoffstücke nicht mehr quadratisch erscheinen würden, weil die Einfassung jeweils einen Streifen verdecken würde. Die kleine Autistin in mir konnte nicht damit leben…

Was also tun? Statt eines Schachbrettmusters könnte ich die Quadrate aus die Spitze stellen und somit quadratische Rauten erzeugen. Ich müsste immernoch nur wenig zuschneiden. Das Nähen ansich wäre fast genauso simpel. Und abgeschnittene Ecken wurden vor meinem inneren Auge automatisch ergänzt, so dass keine optische Täuschung entstände. Die kleine Autistin jubelte…

Wie ich meine Patchworkdecke genäht habe

Eigentlich bringe ich meine Nähprojekte immer in relativ kurzer Zeit zu Ende. Meine erste Patchworkdecke hat jedoch ca. 1,5 Monate gebraucht. Am 5. Juli entstand dieses Bild von meinem Layout für die Oberseite (Fachjargon: Quilt-Top):

Es war gar nicht so leicht ein halbwegs harmonisches Muster zu legen. Schlussendlich habe ich mich reihenweise orientiert und versucht ähnliche Farben in eine Reihe zu legen und dann die Reihen ein wenig aufeinander abzustimmen. Tatsächlich habe ich alle 24 Quadrate verwendet, auch wenn einige davon wirklich scheußlich waren…

In zwei weiteren Sitzungen habe ich dann das Quilt-Top hergestellt. Erst habe ich die Quadrate gebügelt und mit einer Nahtzugabe von 1cm zu Streifen zusammen genäht. Danach wurde jede Naht mit Dampf gebügelt und dann die Nahtzugaben auseinander gebügelt. (Anmerkung: später habe ich erfahren, dass die Nähte besser halten, wenn die Nahtzugaben in eine Richtung gelegt werden. Also bitte besser machen!) Anschließend habe ich die Streifen so aneinander gereiht, dass sie die fertige Fläche ergaben. Wieder habe ich anschließend die Nähte mit Dampf gebügelt und dann die Nahtzugaben auseinander gebügelt. Zum Nähen habe ich die zweitkleinste Maschine von W6 Wertarbeit und einfaches weißes Garn verwendet.

Beschaffung des Quilt-Vlieses

Jetzt besteht ja so eine Patchworkdecke nicht nur aus einem Quilt-Top, sondern auch noch aus einer Füllung und einer Rückseite. Gerne würde ich sagen können, dass ich das alles locker organisiert bekommen habe. Aber leider war die Füllung (Fachjargon: Quilt-Vlies), die ich mir extra von zuhause habe schicken lassen, zu klein. Also musste ich mich informieren, was es so an Vliesen zu diesem Zweck gibt und was sie kosten. Einen guten Überblick gietet dieser Blogpost von Marit von Tag für Tag.

Mit neuen Suchbegriffen bewaffnet stieß ich zunächst auf den Onlineshop Quiltzauberei.de. Während ich hier aus sehr vielen Vlisen hätte wählen können, gelang es mir nicht immer herauszufinden, aus welchem Material das jeweilige Vlies bestand. Völlig überfordert stieß ich weiter unten in den Suchergebnissen auf Das mach ich nachts. Seit nicht ganz einem Jahr betreibt die liebe Barbara einen Onlineshop für ihre Lieblingsprodukte. Zu dem Zeitpunkt waren genau 3 unterschiedliche Vliessorten gelistet, was mir die Auswahl deutlich erleichterte.

Das reine Baumwollvlies ist zwar nicht nachhaltig zertifiziert, aber die Baumwolle ist immerhin kompostierbar. Hier habe ich mich für Abstriche entschieden, um sowohl Kosten als auch Zeitaufwand für dieses Zufallsprojekt im Rahmen zu halten. Nicht so schlau war, dass ich es nicht in die Heimat habe schicken lassen, sondern an meine eigentliche Wohnadresse. Meine hilfsbereite Nachbarin hat es zwar sofort weitergeleitet, aber die Post hat sich über eine Woche Zeit gelassen mir das Päckchen zuzustellen. Inzwischen stand sogar schon unser Rückreisetermin und es wurde echt knapp!

Auswahl des Stoffs für die Rückseite

Wenn das Vlies schon nicht nachhaltig hergestellt wurde, so sollte dann doch zumindest der Stoff für die Rückseite und die Einfassung meiner Patchworkdecke GOTS-zertifiziert sein. Ich habe mir das Angebot in verschiedenen Onlineshops angesehen. Welche genau, kann ich leider nicht mehr rekonstruieren. Dabei habe ich durchaus einige Stoffe gefunden, die mir gefielen, aber keinen der meine Anforderungen an Farbharmonie zum Quilt-Top und an die Preisgestaltung erfüllte.

Schließlich habe ich mich etwas verzweifelt bei www.stoffe.de umgesehen. Laut Google-Suchergebnissen sollen sie GOTS-zertifizierte Stoffe führen. Und ich wurde positiv überrascht. Sowohl die Auswahl als auch die Preise konnten sich sehen lassen. Für die Rückseite habe ich mich für einen hübschen wie dezenten Stoff entschieden. Für die Einfassung habe ich einen farblich passenen Uni-Stoff gewählt. Dies hat den Vorteil, dass ich mich um keinen Muster-Rapport kümmern muss und das recht wilde Top einen ruhigen Rahmen bekommt. Nur beim Garn musste ich mal wieder Abstriche machen. Weder gab es die richtige Farbe in zertifizierter Qualität, noch aus Baumwolle. Und so musste es der Gütermann-Allesnäher tun.

Online-Recherche als Zeitvertreib

Zwischen Projektbeginn und dem nächsten Arbeitsschritt lagen fast ein Monat. Womit also diese Zeit füllen? Genau, mit Wissensaneignung. Eine liebe Freundin ist passionierte Patchworkerin. Von ihr wusste ich, dass der Schritt die drei Lagen so gleichmäßig übereinander zu fixieren, dass beim quilten keine Falten entstehen, der schwierigste, langwierigste und ätzendste Schritt ist. Aber wie genau macht man das? Muss man das wirklich mit Nadeln machen, oder gibt es auch andere Möglichkeiten? Von Babara von Das mach ich nachts hatte ich erfahren, dass sie für gequiltete Taschen gerne Spühkleber nimmt. Aber geht das auch bei Patchworkdecken?

Nach einer recht langen aber interessanten Recherche in ihrem Blog stieß ich auf einen Beitrag, in dem sie beschreibt, dass sie die Methode auch bei einer Patchworkdecke angewandt hat. Großartig! Aber wie genau macht man das nun am geschicktesten. Ich beschloss, dass gelesene Inhalte ihre Grenzen haben und mir YouTube hier vermutlich mehr beibringen konnte. Ich habe mir etliche angesehen, aber dieses hier fand ich am hilfreichsten in Bezug auf Herstellung des Quilt-Sandwiches.

Englisches Video zur Herstellung des Quilt-Sandwiches

Tipps und Tricks zum Quilten

Auf einem anderen YouTube-Kanal fand ich eine weitere Video-Reihe, die zeigt wie eine Patchworkdecke hergestellt wird. Auch wenn dieses Video deutlich länger ist, als was ich gebraucht hätte, um die vorgestellten Techniken zu begreifen, so gibt sie doch ein paar wertvolle Tipps. Zum einen zeigt sie, wie das Werkstück aufgerollt wird, damit es zum Quilten unter den Nähmaschinenarm passt. Der andere Tipp ist auch an verschiedenen Stellen beim Kleidung nähen wertvoll, um den Garnsalat am Anfang einer Naht zu vermeiden:

Positioniere das Werkstück so, dass du eigentlich direkt losnähen könntest. Mach nur einen einzigen Stich und ziehe anschließend den Unterfaden auf die Oberseite. Ziehe jetzt beide Fäden unter den Nähmaschinenfuß in eine Position, wo du sie beim Losnähen noch gut festhalten kannst. Starte jetzt die Naht und verriegel sie ggf., so wie du es sonst auf machst. Dieser einfache Extraschritt ermöglicht es eine ganz saubere Rückseite zu erzeugen und ist nicht nur für gequiltete Projekte wertvoll.

Tipps und Tricks zum Anbringen des Bindings

Die Vollendung erfährt eine Patchworkdecke im letzten Schritt mit der Einfassung (Fachjargon: Binding (englisch)). Hier fand ich diese beiden Blogposts am hilfreichsten: Crazymomquilts und Redpepperquilts. Es gibt auch gefühlte 3 Mrd. Videos bei YouTube, aber letztendlich machen sie die Ecken alle quasi gleich. Der größte Unterschied ist, dass eine gefühlte Mehrheit ihr Binding auf der Rückseite des Quilts mit der Hand annäht und der maschinennähende Rest im Internet nicht vertreten ist…

Herstellung des Quilt-Sandwiches

Ich bin wie in dem Video beschrieben vorgegangen:

  1. Stoff für die Rückseite ausbreiten und auf dem Boden fixieren
  2. Quilt-Vlies faltenfrei darauf auslegen und mit Sprühkleber auf dem Rückseitenstoff fixieren
  3. Quilt-Top faltenfrei auslegen und mit Sprühkleber auf dem Quilt-Vlies fixieren
  4. Überflüssigen Rückseitenstoff und Quilt-Vlies abschneiden, dabei einen 10cm breiten Rand stehen lassen

Quilten auf einer einfachen Nähmaschine

Dieser Punkt hatte mir schon früh ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet. Wie schaffe ich es auf der wirklich sehr einfachen Nähmaschine meines Vaters ein passendes Quiltmuster zu erarbeiten? Wobei ich jetzt im Nachhinein ehrlicherweise zugeben muss, dass meine Fähigkeiten genauso beschränkend waren wie die der Maschine. Dennoch denke ich, dass ich die Aufgabe für diese Patchworkdecke ganz gut gelöst habe.

Im ersten Schritt habe ich rechts und links im immer gleichen Abstand von den vorhandenen Nähten eine sichtbare Naht gesetzt. Hierbei habe ich die Stichlänge 3,5 mm gewählt und von der Mitte nach außen gearbeitet. Glücklicherweise habe ich den ersten Durchgang (eine Seite aller Nähte, die in eine Richtung zeigen) noch tatsächlich auf der Maschine meines Vaters fertigstellen können. So war das Quilt-Sandwich beim Transport nach Hause gegen Verrutschen gesichert. Auf meiner eigenen Maschine habe ich den Abstand zu den Nähten nicht ganz getroffen. Ich bin trotzdem mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Im zweiten Schritt habe ich mit einem wasserlöslichen Marker Doppellinien in die Mitte der Quadrate gezeichnet und diese dann mithilfe des Nahtschattenfußes abgesteppt. Dank der hervorragenden Qualität des verwendeten Baumwollvlieses muss das Quilt-Muster nicht dichter sein. Achtet also beim Kaufen von Quilt-Vlies auf die entsprechenden Angaben zum Vlies und nehmt sie ernst. Wenn das Muster nicht dicht genug ist, kann es passieren, dass das Vlies im Inneren der Patchworkdecke reißt.

Anschließend habe ich die 10cm Arbeitsrand plus ein bisschen mehr zum Begradigen der Kanten abgeschnitten.

Anbringen des Bindings

Jetzt, da ich es hinter mir habe, verstehe ich, warum um diesen Schritt so viel Gewese gemacht wird. Man kann noch so perfekt gearbeitet haben, wenn dieser finale Schritt nicht klappt, sieht das ganze Werk unprofessionell aus. Andersherum wird allerdings auch ein Schuh draus: Wer so ungenau gearbeitet hat wie ich, der kann mit einem gut sitzenden Binding optisch vieles retten…

Nach dem Selbststudium etlicher Quellen habe ich mich dazu entschlossen einen 8cm breiten Stoffstreifen für mein Binding herzustellen. Ich habe die volle Breite meines Stoffes genutzt. Diagonales Zuschneiden ist bei einer Patwork-Decke nicht notwendig, da diese nur gerade Kanten hat. Wie Stoffstreifen mit diagonalen Nähten aneinander genäht werden, um einen längeren Streifen zu erhalten bei dem die Nähte nicht so auftragen, wird in vielen YouTube-Videos gezeigt (Suchbegriff: Schrägband herstellen).

Anbringen auf der Vorderseite

Den Anleitungen aus dem Abschnitt Tipps und Tricks zum Anbringen des Bindings folgend, habe ich das Binding auf der Vorderseite meiner Patchworkdecke angenäht. Hierbei gilt den Ecken ein besonderes Augenmerk. Man näht den Streifen bis kurz vor Ende der Kante an (Der Abstand zum Ende der Kanten beträgt genau die Breite der Nahtzugabe.), lässt die Nadel im Werkstück stecken und dreht es mit angehobenem Nähfüßchen so, dass man bis direkt in die Ecke nähen kann. Dort angekommen wird die Naht verriegelt.

Jetzt wird der Binding-Streifen erst entlang der diagonalen Naht nach oben gefaltet und dann so, dass wieder die offene Kante auf der Kante der Decke zuliegen kommt. Die Fotos zeigen, wie dies hinterher aussieht.

Anbringen auf der Rückseite

Ich habe mich dazu entschlossen, das Binding mithilfe einer Nähmaschinennaht auf der Rückseite anzubringen. Es gibt zwei gute Gründe für diese Entscheidung: 1. Zeit 2. Meine Aversion gegen Handnähen. Mir war klar, dass das Ergebnis nicht perfekt ausfallen würde, aber ich wollte doch alles dafür tun, damit es klappt. Und so habe ich das Binding an der Naht umgebügelt, auf der Rückseite mit Textilkleber, Klemmen und Nadeln fixiert. Anschließend habe ich von oben im Nahtschatten der ersten Naht das Binding auf der Rückseite angenäht.

Dabei ist mir eine(!) von vier Ecken ganz zauberhaft gelungen:

Und ein etwa handbreites Stück musste ich komplett nacharbeiten, weil ich das Binding auf der Rückseite gar nicht erwischt hatte…

Am 20. August 2020 um 1 Uhr nachts war es dann soweit: meine erste Patchworkdecke war fertig gestellt! Mann, war ich stolz. Und bin es immernoch. Am nächsten Morgen habe ich sie dann gleich in die Waschmaschine geschmissen, um die Linien von dem Marker zu löschen und die Schadstoffe aus den Quadraten auszuwaschen. Seitdem liegt sie bei uns im Bett und wenn die Temperaturen es erlauben, schlafe ich darunter.

Wie mich der Herstellung meiner ersten Patchworkdecke verändert hat

Ich hatte schon vor diesem Projekt großen Respekt vor allen Patchworkern. Es war klar, das in ihre Werke unglaublich viel Arbeit fliest und sie unvorstellbar exakt arbeiten müssen. Dies waren schlussendlich auch die Gründe, warum es für mich nicht in Frage kam ein solches Projekt anzufangen. In den letzten 1,5 Monaten wurde meine Vermutung bestätigt. Aber ich weiß jetzt, dass ich durchaus in der Lage bin ein solches Projekt erfolgreich zuende zu bringen, was mir großen Respekt von mir selbst einbringt.

Außerdem bin ich mir sicher das die erste Patchworkdecke sicherlich nicht die letzte gewesen ist. Die Optik des Quilt-Tops entspricht nicht wirklich meinem Geschmack und die vielen Videos haben mir so viele Inspirationen für weitere Projekte gegeben, dass ich sofort weiter machen könnte. Zusätzlich sind die Maße der Decke nicht so groß, dass ich wirklich darunter schlafen könnte, wenn ich mich warm halten muss. Allerdings ist auch klar, dass das nächste Projekt dieser Art besser geplant sein wird.

Insgesamt bin ich sehr dankbar für die Erweiterung meines Horizonts. Ich finde es sehr wertvoll neues zu lernen, Prinzipien in Frage zu stellen und Kompromisse zu finden.

Ganz viele Grüße
Beccy

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