GOTS-Siegel

Eines der wichtigsten Siegel im Bereich nachhaltiger Textilien ist der Global Organic Textile Standard – kurz GOTS. Dieser Artikel stellt ihn kurz und bündig vor, damit du in Zukunft weißt, was er abbildet.

Das Ziel des Global Organic Textile Standard ist es, dem Verbraucher ein sicheres Erkennungsmerkmal an die Hand zu geben. Er steht dafür, dass alle Beteiligten im Herstellungsprozess bemüht sind, die negativen Folgen ihres wirtschaftlichen Handelns so klein wie möglich zu halten. Um dies mess- und somit vergleichbar zu machen, wurden 2005 das erste Mal die verbindlichen Kriterien aufgestellt. Seitdem wurden und werden sie kontinuierlich weiterentwickelt. Alle 3 Jahre aktualisieren die Stakeholder den Standard. Danach haben zertifizierte Unternehmen 1 Jahr Zeit, um die neuen Anforderungen umzusetzen. Die aktuelle Version 6.0 wurde am 1. März 2020 veröffentlicht.

Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte des Standards.

Wer wird nach GOTS zertifiziert?

Alle Betriebe in der Produktionskette sind auditiert und zertifiziert. Der GOTS enthält Kriterien für Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb von Textilien. Nur die Faserproduzenten unterliegen nicht direkt dem Standard. Sie werden je nach Standort nach EG Nr. 834/2007, USDA NOP oder IFOAM Family of Standards zertifiziert.

Welche Textilien dürfen ein GOTS-Siegel tragen?

Die Grundanforderung ist, dass die fragliche Textilie aus mindestens 70% pflanzlichen oder tierischen Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) besteht. Seit Version 6.0 dürfen die restlichen 30% Fasern nicht der gleichen Art aber aus konvertionellem Anbau sein.
Beispiel: Während bisher ein T-Shirt, das aus 70% Baumwolle kbA und 30% Baumwolle aus konventionellem Anbau besteht, das Siegel tragen durfte, so ist dies mit der neuen Version nicht mehr zulässig.

Soweit der Teil der Wertschöpfungskette, der nicht direkt dem GOTS unterliegt. Alle weiteren Schritte, die die Faser bis zum Verkauf der fertigen Textilie an den Einzelhändler durchläuft, werden von Unternehmen mit GOTS-Betriebzertifikat durchgeführt.

Abstufungen

Das GOTS-Siegel kennt 2 Ausprägungen. Sie unterscheiden sich darin wie „bio“ die Textilie ist.

Stufe „kbA/kbT“ bzw. „organic“

enthält mindestens 95% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern und maximal 5 % konventionell erzeugte natürliche Fasern oder ausgwählte Chemiefasern.

Stufe „hergestellt aus X% kbA/kbT Fasern“ bzw. „made with organic“

entählt mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern und höchstens 30 % konventionell erzeugte Fasern. Davon sind maximal 10% Chemiefasern, die nicht von nachhaltigen Rohstoffen stammen. Der Anteil der Chemiefasern kann also sehr wohl höher sein, wenn diese aus nachhaltiger Quelle stammen. „Nachhaltig“ bedeutet in diesem Fall entweder zertifiziert biologisch oder aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder aus recyceltem Material. Eine generelle Ausnahme gilt für Strümpfe, Leggings und Sportkleidung. Hier darf der Anteil der nicht nachhaltigen Chemiefasern bis zu 25% betragen.

Welche Produkte bleiben per se ohne Siegel?

Produkte für deren Rohstoffe Tiere sterben müssen. Produkte aus Fell oder Leder können kein GOTS-Siegel tragen.

Welche Kriterien müssen GOTS-zertifizierte Unternehmen erfüllen?

Diese Stoffe sind im Herstellungsprozess verboten:

  • toxische Schwermetalle (auch in Maschinenölen)
  • Formaldehyd
  • aromatische Lösungsmittel (auch bei Ätzdruckverfahren)
  • genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren Enzyme
  • Chlorbleiche
  • Azofarbstoffe, die krebserregende Aminverbindungen freisetzen
  • synthetischer Schlichtemittel (nicht alle)
  • Phthalate (in Plastisol-Druckverfahren)
  • PVC (in Verpackungen, Accessoires und Plastisol-Druckverfahren)
  • Nickel (in Accessoires)
  • Chrom (in Accessoires)

Verwendete Stoffe und Materialien müssen diesen Anforderungen genügen:

  • biologisch abbaubar/eliminierbar
  • nicht giftig
  • Bleichmittel auf Sauerstoffbasis
  • alles Papier und alle Pappe, die zum Verpacken und Kennzeichnen der Produkte verwendet wird, ist entweder FSC oder PEFC zertifiziert
  • minimale unerwünschte Rückstände
  • reib-, schweiß-, licht- und farbecht
  • definierte Einlaufwerte

Diese organisatorischen Anforderungen müssen erfüllt werden:

  • Biofasern und konvertionelle Fasern müssen von einander getrennt aufbewart und verarbeitet werden. Es muss klar gekennzeichnet werden, was was ist.
  • Chemische Zusätze müssen vor dem Einsatz geprüft werden, ob sie den oben genannten Anforderungen genügen.
  • Jedes Unternehmen muss ein Umweltschutzprogramm verfassen und den Inhalt seinen Mitarbeitern mitteilen.
  • Jedes Umweltschutzprogramm muss Ziele zur Abwasser- und Abfallminimierung enthalten. Es muss auch beschrieben sein, wie diese Ziele zu erreichen sind.

Nassveredelungsbetriebe müssen sich zusätzlich an diese Regeln halten:

  • vollständige Protokolle über
    • eingesetzte Chemikalien
    • Energieverbrauch
    • Wasserbrauch
    • Abwasseraufbereitung inkl. Klärschlammentsorgung
  • Aufbereitung des Abwassers in einer geeigneten Kläranlage

Soziale Kriterien

Um die Erfüllung der sozialen Kriterien überprüfbar zu machen, verweist der GOTS auf Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Nachstehende Anforderungen sollen alle Verarbeiter und Hersteller erfüllen.

  • Kinderarbeit ist verboten.
  • Zwangsarbeit ist verboten.
  • Der Arbeitnehmer kann frei wählen, ob er für seinen Arbeitgeber arbeiten möchte.
  • Die Arbeinehmer dürfen sich organisieren und kollektiv ihre Bedingungen aushandeln.
  • Die Arbeitsbedingungen sind hygienisch und sicher.
  • Die geltenden Regeln zu Mindestlöhnen werden eingehalten.
  • Die Arbeitsnehmer haben ausreichend Zeit zur Erholung.
  • Die Arbeitgeber diskrimminieren keine Bevölkerungsgruppen oder Individuen.
  • Das Beschäftigungsverhältnis unterliegt genauen Regeln bzgl. Kündigung, Teilzeit- und Heimarbeit.

Wie wird sicher gestellt, dass alle die GOTS-Kriterien einhalten?

Es werden alle inspiziert und zertifiziert. Zusätzlich werden Rückstandsanalysen durchgeführt.

Zertifizierung

Bei der Zeritifizierung werden 2 Gruppen unterschieden: die Faserproduzenten und alle weiteren Verarbeitungsschritte.

Die Faserproduzenten werden nach EG Nr. 834/2007, USDA NOP oder IFOAM Family of Standards zertifiziert. Wer die Zertifizierung vornimmt ist im jeweiligen Standard festgelegt. GOTS hat keinen Einfluss die Kritierien der Standards.

Alle Betriebe, die die Fasern weiterverarbeiten, werden nach den Kriterien des GOTS zertifiziert. Es werden alle bis einschließlich zum Großhändler jährlich überprüft, ob sie die aktuellen Anforderungen erfüllen. Sie erhalten ein GOTS-Betriebszertifikat, das alle relevanten Produktions- und/oder Handelsschritte abdeckt.

Damit sicher gestellt ist, dass alle Unternehmen den gleichen Regeln unterliegen, sind auch die Zertifizierer akkreditiert. Die der Faserproduzenten erfüllen die Anforderungen der ISO 65/17065, NOP und/oder IFOAM und die GOTS-Zertifizierer die Anforderungen der ISO 65/17065.

Rückstandsanalysen

Um sicher zu sein, dass alle Unternehmen sich an die Regeln halten und die Textilien wirklich unbedenklich sind, werden Rückstandsanalysen durchgeführt. Die Betriebe nehmen regelmäßig Proben und lassen diese analysieren. Zusätzlich können die Inspektoren während der jährlichen Überprüfung weitere Proben nehmen und von akkreditierten Laboren analysieren lassen.

Quellen:

Offzielle deutsche Zusammenfassung des GOTS, https://www.global-standard.org/de/the-standard/general-description.html, Stand 21.06.2020
NORMLEX der ILO, http://www.ilo.org/dyn/normlex/en/f?p=1000:12030:::NO:::, Stand 21.06.2020

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